Intrauterine Lasertherapie, Information für Patientinnen

Die monochoriale Mehrlingsschwangerschaft:

"Monochorial" bedeutet das Vorliegen einer eineiigen Mehrlingsanlage, bei der sich Kinder einen gemeinsamen Mutterkuchen (Plazenta)teilen, was meist Zwillinge betrifft, selten aber auch bei Drillingen oder sogar Vierlingen vorkommt. Monochoriale Plazenten weisen eine einzigartige Blutgefäßaufteilung mit Verbindungsgefäßen zwischen den kindlichen Nabelschnurgefäßen auf.
 

Mögliche Probleme bei monochorialen Mehrlingsschwangerschaften:

Hierbei ist vor allem das feto-fetale Transfusionssyndrom (= FFTS) zu nennen, bei dem es zur Flüssigkeitsverschiebung über die genannten Gefäßverbindungen kommt, wodurch ein Kind zum Spender und das andere zum Empfänger wird.
 
Ein FFTS kann mittels Ultraschalls festgestellt werden, wobei sich ein deutliches Ungleichgewicht der Fruchtwassermengen (zu wenig Fruchtwasser beim Spender, zu viel Fruchtwasser beim Empfänger) und auffällige Harnblasenfüllungen (leere Harnblase beim Spender, überdehnte Harnblase beim Empfänger) zeigen. Meist entwickelt sich dieses Krankheitsbild zwischen der 16. und 26. Schwangerschaftswoche. Betroffene Schwangere können die starke Fruchtwasserzunahme eventuell durch ein ungewöhnlich rasches Wachstum des Bauchumfanges mit Spannungsgefühl und sogar vorzeitiger Wehentätigkeit bemerken.
 
Neben einem FFTS kann es bei monochorialen Mehrlingsschwangerschaften auch zur Wachstumsverzögerung eines oder mehrerer Kinder oder anderen seltenen Problemen kommen.
 
Die genannten Komplikationen sind glücklicherweise selten, können aber zu bleibenden Schäden oder sogar zum Versterben der betroffenen Kinder führen.
 
Die Betreuung dieser speziellen Schwangerschaften hat sich in den letzten Jahren durch technische Fortschritte im Ultraschall und vor allem durch die Weiterentwicklung vorgeburtlicher Therapiemöglichkeiten wesentlich verbessert.
 
An der Frauenklinik Graz wurde ein Schwerpunktzentrum für die Betreuung und vorgeburtliche Behandlung solch komplizierter Schwangerschaften etabliert. Unsere Einheit für intrauterine Lasertherapie wurde als bisher einziges österreichisches Zentrum dieser Art mit einem ISO Zertifikat ausgezeichnet.
 
 

Therapie des feto-fetalen Transfusionssyndroms:

Als einzige ursächliche ("kausale") Therapie gilt heute die intrauterine Laserbehandlung, die zum Verschluss der verantwortlichen Gefäßverbindungen führen soll. Dieser Eingriff wird unter örtlicher oder regionaler ("Kreuzstich") Betäubung vorgenommen. Dabei wird ein dünnes Instrument ("Fetoskop") über die mütterliche Bauchdecke (ca. 3 mm Einstich) in die Gebärmutter vorgeschoben und die Oberfläche des Mutterkuchens betrachtet. Dabei können die verantwortlichen Gefäßverbindungen erkannt und mittels Laserenergie verschlossen werden. Abschließend wird überschüssiges Fruchtwasser abgezogen.
 
Die Überlebensrate der betroffenen Kinder ist abhängig vom Schweregrad der Erkrankung, der technischen Durchführbarkeit einer Therapie und vom eventuellen Auftreten einer Frühgeburt. Daher ist es im Einzelfall schwierig, eine verlässliche Prognose über das Überleben eines oder beider Kinder zu erstellen. Alle Details und Informationen erhalten Sie im Rahmen eines ausführlichen Gespräches in unserer Mehrlingsambulanz.
 
Bei Fragen oder Problemen nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf:
 
​Einheit für intrauterine Lasertherapie
​Leitung: Assoz. Prof. PD Dr. Philipp Klaritsch
Tel: +43 (316) 385 - 13371
Fax: +43 (316) 385 - 13199
Anfragen per email jederzeit an:
praenatal@medunigraz.at
 
 
Letzte Aktualisierung: 19.05.2017